Ortsteile von Reischach

Einöde, 470 Meter über N.N.; der Name besteht aus den Silben „rausch", mhd. „nach" = Wasserfall, auch reißendes Gewässer, und „eck", das ist eine hochgelegene, vorspringende Bergform oder Landzunge.

Beides trifft auf unser Rauscheck zu. Der Reischachbach bildet am Fuße dieses Geländesporns zwischen dem Auslauf des „Rauscheckergrabens" einerseits und dem Auslauf der sogenannten „Hundsloh" (im Volksmund Hundsloch« genannt) auf der anderen Seite — beide in Urzeiten geformt — eine große Schleife. Diese schuf durch den steten Wasseranprall südöstlich gegenüber dem heutigen Gasthaus „Reischacher Hof" einen sehr steilen, jetzt bewaldeten Geländeanriß am Fuß des „Rauschecks", auf dessen höchstem Punkt man im Mittelalter nicht nur einen Landsitz eines Adeligen, sondern zweifellos auch einen stolzen Wehrturm vom Reischachtal aus erblicken konnte.

Rauscheck war ja im Mittelalter Sitz eines Ritters; es gehörte jahrhundertelang den Edlen von Hoheneck. Thomas Hohenecker zu Rauscheck verkaufte 1457 den Rittersitz Rauscheck seinem Bruder Valentin (1.) zu Reischach. Beide waren Enkel des 1383 verstorbenen und in der Pfarrkirche in Reischach begrabenen Martin (I.) Hohenecker (urkundlich 1363-1383). 1518 verkauften dann die Gebrüder Hans, Martin (IV.) und Leo die Hohenecker (Enkel Valentins I.) den „Hof zu Rauschegkh" mit allen dazugehörigen Gründen den Verwaltern der Hlg. Kapelle in Altötting. Die Hlg. Kapelle als neuer Grundherr vergab das Gut wiederum an Bauern auf Erbrecht zur Nutzung. Diese Art grundherrlicher Abhängigkeit dauerte dann fort bis anfangs des 19.Jahrhunderts. Auf dem Standplatz des vermuteten einstigen — sicherlich gemauerten — Turmes, der sich wenige Schritte nordwestlich des heutigen Rauscheckerhofes befunden haben muß, weisen heute noch ziemlich deutliche Geländespuren hin. Er war wohl im 15.Jahrhundert schon bedeutungslos gewesen und verfallen. An ihn erinnert auch noch der Flurname „Schloßzedese".

Einöde, urkundlich 1300 „ze Walde", heute nm. „Reichwoid".

Der Ort liegt etwa 700 Meter westlich von Arbing auf einer Anhöhe vom 465 Meter über N.N. Die Vorsilbe „reich" ist offensichtlich erst gegen Ende des 16.Jahrhunderts dem ursprünglichen Orts-und Hofnamen „Waldner zu Wald" vorgesetzt worden; sie weist auf einen für die damalige Zeit auffallenden Reichtum hin. Im Gegensatz zu den übrigen Bauern dieser Gegend besaß nämlich einst der Reichwallnerbauer den größten Grundbesitz. Er hatte außer seinem 1/1 oder ganzen Hofgut mit über 120 Tagwerk Grund gleich zwei Zuhäusl. Diese stanetwa 75 Meter südwestlich bzw. 50 Meter südöstlich des Hofes. Nichtminder genoß er den 2/3-Zehent von seinem großen Gut selbst und besaß auch noch eine Sägemühle. Im Steuerbuch von 1721 heißt es, daß der Reichwallner den ganzen Hof und „die hirzue gerissenen (= urbar gemachten) 2 Länder und verhandne Schneidsaag" mit „Churfürstlicher Lebensgerechtigkeit" besitzt. Wo sich einstmals dieses Sägwerk befand, wird sich wohl nie mehr ganz genau feststellen lassen.

Jedenfalls war es das im Tal („in der Speck") südlich von Speck herkommende und östlich die Flur von Reichwald durchlaufende heute noch kleine Wässerlein, das einst den Antrieb jener Sägemühle ermöglichte.

Im 19.Jahrhundert (urkundlich schon 1851) besaß der Reichwallnerbauer westlich des Hofes auch einen Ziegelbrennofen mit Ziegeltrockenhütte. Es wurden hier nicht nur Ziegel zum Eigenverbrauch geschlagen und gebrannt, sondern auch nach auswärts verkauft. 1930 waren nur noch Reste von ihm vorhanden, welche schließlich kurz darauf gänzlich beseitigt wurden.

Zweifellos war in ganz alter Zeit Reichwald fast völlig von Wald umgeben. Das heute noch zwischen den Einöden Straß b. Ecking, Stockwimm und Reichwald vorhandene Waldstück („Straßnerholz") darf wohl noch als Rest jener einstmals großen Waldung an-gesehen werden, welche hier sogar namengebend war. Der einstige Orts- bzw. Hofname „Waldner zu Wald" bedeutet einen Siedler (Bauern) am oder im Wald.

Einöde, 411 Meter über N.N., ma. "Reisermöi", besser "Reisamöj". Deutung des Namens wie bei Reising, jedoch einstmals hier Standplatz einer Mühle.

Mitte des 15.Jahrhunderts war die Reisermühle noch Bestandteil des den Edlen von Trenbeck gehörigen Reisingergutes.

Nach Aussterben dieses Edelgeschlechtes im Jahr 1637 gelangte ein Teil der ihnen untertan gewesenen sogenannten einschichtigen Güter, darunter auch die 1/8-Reiserrnüllersölde an die Hofmarksherrschaft Klebing. Das Anwesen, das auf Leibrecht verliehen wurde, bestand damals aus dem Reisermüllerhof oben auf dem Hochufer und der wenige Schritte südöstlich, drunten am Rockersbach stehenden Mahlmühle mit angebautem Müllner-stüberl. Dieser Mühle wurde aber schon um 1692 von einem schrecklichen Hochwasser der Garaus gemacht. Damals nämlich riß das Wasser nicht nur das Wuhr weg, sondern auch der Hausberg wurde teilweise weggerissen und der Bachlauf selbst so gewaltig verändert, daß die Mühle seitdem "truckhen und öd lieget", wie es noch 1752 heißt. Anstelle des ehemaligen Mühlengebäudes wurde dann später ein Zu- oder Austragshaus mit Stall errichtet. Auf der Flurkarte von 1824 ist dieses Bauwerk noch eingetragen. Es ist, vermutlich wiederum wegen Hochwasser, noch vor dem Ersten Weltkrieg in Abgang gekommen.

Einöde. 438 Meter über N.N., ma. „Reising", von alten Leuten hier auch noch „zReiser" oder „z Reisa" genannt. Der Name leitet sich offensichtlich vom mhd. „ris" = Zweig, Reisig, „risach" = Gesträuch, Buschwerk, ab; hier also ein Gehöft, das einst von vielem Buschwerk umgeben, also im „Reisa" lag.

1407 besaß „Leyttel Grönther, Purger zw öting" unter anderem auch die zwei Teile Zehent zu Petzling, zu Harpfen und „zu Reysach". Noch Mitte des 15.Jahrhunderts gehörte zum Reisingergut auch die Reisermühle. Das gesamte Besitztum war damals auf einen 3/4-Hof eingestuft; es gelangte um jene Zeit an die Edlen von Trenbeck. Später wurde die Mühle vom Hof getrennt, der Hof selbst in zwei Einzelanwesen aufgeteilt. Das Reisingergut bestand nun fortan katastermäßig aus zwei separaten 1/4-Höfen, dem Unterreisinger- oder Reisingergütl und dem Oberreisinger- oder Wagnergütl zu Reising. Grund- und Gerichtsherr von beiden blieb die jeweilige Hofmarksherrschaft Winhöring. Beide Reisingeranwesen wurden aber — soweit urkundlich nachweisbar — stets von jeweils ein und demselben Bauern zusammen auf Erbrechtsbasis bewirtschaftet. Dies führte jedoch bald dazu, daß das Wohnhaus des Oberreisingergütls immermehr und schließlich gänzlich zu einem bloßen Zuhäusl herabsank. Die dazugehörigen Gründe waren ohnehin bald mit dem Hauptgut „unausscheidbar vermischt", die Nebengebäude abgerissen. Nach Abschaffung der Grundherrschaft im Jahr 1848 spielte dann diese Vermischung keine Rolle mehr und somit ist auch bald die mündliche Überlieferung von einem einstigen zweiten Hof zu Reising längst völlig versiegt.

Weiler mit insgesamt acht Anwesen, 430 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 73); ma.„Rockaschboh".

An einem 8. November kurz vor dem Jahr 1151 läßt „Chadalhoh von Ruotkozzispach" (= Rockersbach) auf Verlangen nach dem geistlichen Leben und »damit ihm der Tod nicht zuvorkomme", durch Dietmar von Polling sieben Hörige an die Kirche von Salzburg übergeben Dabei ist unter anderen auch „Uirica de Arbingen" (= Arbing) als Zeuge erwähnt. „Ruodgozz(o)" ist ein einst gebräuchig gewesener männlicher Name, der um 930 ein paarmal in Salzburger Urkunden erscheint. So ist unser Rockersbach zu deuten als Ort am Bach, wo einst ein freier Herr namens Ruodgozz (Ruotkozz) mit seinen Leuten siedelte. Damit ist uns auch der Name des ersten Siedlers und somit auch Gründers von Rockersbach überliefert.

Der Weiler Rockersbach war seit Bildung der Ämter im 13.Jahrhundert geteilt: Die zentrale Siedlung von Rockersbach lag im Gebiet des Amtes Winhöring, ab Mitte des 15.Jahrhunderts bis 1808 in dessen Obmannschaft „Aufm Eggen", ab 1808 bis 30. Dezember 1966 im Steuerdistrikt bzw. in der Gemeinde Eggen. Seit 1. Januar 1967 gehört nun dieser Teil zur Gemeinde Reischach. Die verschieden weiter abseits liegenden zwei Höfe „Bauer zu Rockersbach" und „Leither zu Rockersbach" zählten dagegen in genannter Zeit zum Amt Reischach und dessen Obmannschaft Reischenbach, ab 1808 bis 3. Juni 1971 zum Steuerdistrikt bzw. zur Gemeinde Reischenbach bzw. Arbing.

Seit 1. Juli 1971 gehören nun beide Ortsteile von Rockersbach zu einem Ortsteil vereint politisch zur Gemeinde Reischach. Hinsichtlich der pfarrlichen Zugehörigkeit aller Rockersbacher hat sich dagegen nie etwas geändert; sie gehören von Anfang an zur Pfarrei Reischach.

Der Name dieses ma. „Ruadersberg" gesprochenen, aus zwei Bauernhöfen und einem Kleinanwesen bestehenden Weilers leitet sich von dem Personennamen „Rudolf" ab.

Vermutlich ist er der Name des ersten Siedlers dort auf dieser heute noch von zwei Seiten vom Wald begrenzten, bergigen Flur. Im Jahr 1245 ist „Rudolfsperig" im Urbar des Klosters Baumburg aufgeführt. 1300 wird „Rudolfsp(er)g" auch im Herzogsurbar erwähnt; es mußte drei „Chaufmetzen" Hafer an den herzogl. Kasten geben. Im Urbarverzeichnis von 1435 sind insgesamt vier Güter zu Rudersberg genannt; zwei davon, der „Ruedl von Ruedersperg" und „Chundl vom widern" sind identifizierbar. Es handelt sich dabei um die spätere „Ruedersberger"-Sölde und um den Wimmerhof. Mit den anderen zwei, nämlich dem „Ull von Rudosperg", der 12 Pfennig pro Jahr an Herbst- und Maisteuern an die herzogl. Lehenstube zu reichen hatte, und dem „Hennsel von Ruedersperg", der 32 Pfennig dergleichen Steuern gab, sind wohl das „Kötzl-Giitl« und das „Mitterergut« oder evtl. ein anderes, schon im 16.Jahrhundert nicht mehr vorhanden gewesenes Hofgut gemeint. Da es einen „Mitterer" eigentlich nur dann geben konnte, wenn er wirklich der mittlere Hof von insgesamt dreien war, der heutige Mittererhof aber keinesfalls der mittlere, sondern seit Menschengedenken der äußerste, östlichste Hof von Rudersberg ist, scheint letztere Vermutung berechtigt. Außerdem wird im 17.Jahrhundert — obwohl es damals vier separate Anwesen in Rudersberg gab — das 1/4-Mitterergut urkundlich gelegentlich auch die „Hölzlhub" oder gar beim „Untergodl" genannt. Es war — obwohl im „Pruckhödl" stehend, zur Hälfte freies Eigentum und zur Hälfte ein „Baron v. Daxpergisch-Lehen". Es wird wohl in ganz alter Zeit nur einen Hof, später dann drei mit dem Mitterergut in der Mitte gegeben haben; dieser Name ist ihm auch dann noch verblieben, als es durch weitere Rodungen und Teilungen vier oder eine Zeitlang sogar fünf Höfe in Rudersberg gab.

Die Reihenfolge der Anwesen südlich entlang der Ortsstraße war im 18. Jahrhundert von Osten nach Westen: der Mitterer- oder Gütlbauernhof, dann der Wimmerhof, das Rudersberger- oder Hauzinger Gütl und schließlich als westlichstes und höchstgelegenstes die Kötzl-Sölde. Etwa 30 Meter nordöstlich vom Mitterer- oder Gütlbauernhof (nördlich der Ortsstraße) stand dessen Zuhäusl. Rudersberg liegt 475 Meter über N.N.

Weiler, 465 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 73), ma. "Schefberg", älteste Schreibweise: 1407 "Schefperg", 1463 "Schöfberg", 1468 "Scheffberg".

Die Ortschaft Schöffberg setzt sich aus den ehemaligen Ortsteilen Aigner, Kaiserhäusl, Oberschöffberg und Unterschöffberg zusammen. Diese vier Einöden wurden am 13.Juni 1977 Bestandteil des gleichzeitig neu gebildeten Weilers, der amtlich den Namen "Schöffberg" erhielt. In ganz alter Zeit verstand man unter dem "Schöffberg" den gesamten bewaldeten Höhenzug nordwestlich entlang des Reischachbaches von Hochhäusl über Herzöd bis einschließlich Schöffberg (vgl. dazu auch Karrersäge/Schöffmühl und Hochhäusl!).

Da einst sicherlich mehrere Schöff- oder Schiffsmühlen im Unterlauf des Reischachbaches anzutreffen waren, dürften diese dafür namengebend gewesen sein.

Mundartlich wird der Ort „Schebi(h)e" genannt; er gilt als Weiler (3 Anwesen). Der Name bedeutet »schöner Bichel" (= Hügel), ahd. „buhil" = Hügel, Berg. (Vgl. auch Kerschbichl und Bichlmayr in Petzlberg!).

Der Hof zu Schönbichl liegt ja an einem hauptsächlich nach Südosten abfallenden schönen sonnigen, zum Teil von Wald umgrenzten Hügel. Von ihm aus hat man eine herrliche Aussicht ins nahe Reischachtal. Schönbichl liegt 445 Meter über N.N.

Um 1407 gehörte „Schönbühel" zur Lehenschaft der Edlen von Hoheneck, in deren Hand es bis anfangs des 16.Jahrhunderts verblieb. Am 4.Oktober 1518 verkauft „Harms Hohenegher zu Praitnprugkh, zugleich namens seiner Brüder Martin und Leo die Hohenegkher" den Verwaltern der Hlg. Kapelle zu Altötting neben anderen auch das Gut „Schoenpuechr, das jährlich 2 Pfund Pfennige zinst. Die Hlg. Kapelle als neuer Grundherr verlieh den Schönbichlerhof wiederum gegen eine jährliche Stift jeweils an einen Bauern auf Erbrecht. 1535 hatte ein solcher Erbrechtbauer den Hof aber nicht selbst bewirtschaftet, sondern ihn mit Einwilligung der Hig. Kapelle gegen eine bestimmte „Gult" (= Gebühr) an einen anderen Bauern auf „Freistift" zur Nutzung überlassen. Doch das war eine Ausnahme; ansonsten war der jeweilige Erbrechter auch gleichzeitig Bauer zu Schönbichl. Die Abhängigkeit von der Hlg. Kapelle in Altötting dauerte fort bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Einöde, westlich von Arbing, 455 Meter über N.N.; ma. „Spêck", urkundlich 1300 „Spech", 1403 „Spekh", 1529 „in der Speckh". Die Speck, mhd. ,, speche", bedeutete in alter Zeit einen aus Reisigbündeln oder Prügeln gebauten Weg, Damm oder auch eine dergleichen Brücke in einem sumpfigen Gelände.

Der Specknerhof liegt an einem solchen einstmals sumpfigen Tal, welches heute noch von einem Wassergraben durchzogen wird, über den mittels eines kleinen Durchlauf-bauwerks die schmale Straße von Ecking nach Arbing führt.

Ursprünglich war der Specknerhof eine Hube und gehörte — im Gegensatz zum unweit davon sich befindenden Stockwimmerhof — nur zur Hälfte mit Leibrecht zum Pfarrhof Hirschhorn, welcher 1261 an das Kollegiatstift St. Philipp und Jakob in Altötting überge-ben wurde. Die andere Hälfte war mit Erbrecht vogtbar zum herzoglichen Kastenamt Burghausen und wurde gegen Mitte des 16.Jahrhunderts freieigen. Ende des 17.Jahrhunderts konnte der Speckner einen weiteren Teil seines besitzenden Gesamtgutes eigentümlich dazu erwerben, so daß fortan nur noch 1/3-Anteil zum Stiftskapitel Altötting gehörte. Anfangs des 19.Jahrhunderts wurde schließlich auch dieser Rest freies Eigentum des Specknerbauern. Jene gleichzeitig verschiedene Grundherrschaftszugehörigkeit ist wohl so zu erklären, daß — wie 1403 beurkundet - es einstmals zwei Anwesen in bzw. bei Speck gab, wovon das eine zeitweise der alte Speckner als Austragsgütl nutzte; später, nach Ab-gang des zweiten Gutes, wurden eben dessen Gründe zusammen in einem Specknerhof bewirtschaftet, welchen sich die Grundherrschaften dann miteinander teilten.

Weiler mit 5 Anwesen (ca. 463 Meter über N.N. bei Haus-Nr. 48), ursprünglich „Stauden", dann „Staudenhaus" und „Staudenhäus".

Der Name erklärt sich als ein mit vielen Stauden (Buschwerk, Gesträuch) bewachsener Platz, auf welchem zuerst ein Haus, später dann noch ein paar dazugebaut wurden. Außerdem lag dieser Platz damals nahe am sogenannten „Schachling" oder „Scha(l)ing" (ahd. „scahho", mhd. „schache", ma. „schaie" = Schachen, kleines alleinstehendes Waldstück, aber auch eine weit in ein Feld herein-reichende Waldzunge). Es wird deshalb der — früher fast völlig bewaldet und um vieles steiler gewesene — Berg südlich von Staudenhäuser bis über dem heute nur noch zum Teil bewaldeten Höhenrücken vor Aushofen der „Schaienberg" genannt. Zum südlichsten, direkt an diesem Berg und Waldstück stehenden Anwesen (Haus-Nr. 44) in Staudenhäuser sagen die hiesigen alten Leute gelegentlich heute noch beim „Schaien".

Seit in den Jahren von 1966 bis 1976 östlich unmittelbar vor Staudenhäuser eine große Mülldeponie angelegt und betrieben wurde, ist die Landschaft dort stark verändert und der Wald noch mehr reduziert.

Das erste in Staudenhäuser entstandene Anwesen war das einst in der Pfarrhofwiese in Reischach gestandene, unter Pfarrer Christoph Faschang (1620-1633) dort abgetragen und auf Pfarrhofsgrund in Staudenhäuser wieder aufgezimmert wordene „Gesellpriesterhäusl" (jetzt Haus-Nr. 48, Mörwald). Die anderen Anwesen dort wurden erst anfangs des 18. Jahrhunderts bzw. im 19. und 20. Jahrhundert gegründet.

Einöde, ma. "Stogwirnm" (472 Meter über N.N.), 1300 "widern". Beide Wortsilben des Namens Stockwimm weisen auf die besondere Art der einstigen grundherrschaftlichen Zugehörigkeit dieses Einödgehöftes hin.

Die "Stockwibm" (die Wimm, vom mhd. ,, wibm" bzw. "widern", das Gewidmete) war ein Widmungsgut, das nicht mehr - wie ursprünglich - ausschließlich zum Unterhalt des Pfarrers, sondern nach 1261 (Übergabe der Pfarrei und des Pfarrhofes Hirschhorn an das Kollegiatstift St. Philipp und Jakob in Altötting) vor allem zum Unterhalt des Chorherrenstockes und Stiftkapitels in Altötting, später dann (18. Jahrhundert) der Hl. Kapelle in Altötting, gewidmet war. Stockwimm muß also bereits vor 1261 existiert haben, daß es zu dieser Grundherrschaft gelangen konnte. Das Chorherren- oder Kollegiatstift wie auch die Hlg. Kapelle bzw. deren Verwalter verliehen diese Hube (1535 noch/4-Hof!) dem jeweiligen Stockwimmerbauern auf Leibrechtsbasis. Gleichzeitig war dieses Gut zum landesherrlichen Kastenamt vogtbar, wohin alljährlich an die 10 Metzen Vogthafer gereicht werden mußten.

1804 Schließlich konnte der Stockwimmer durch Zahlung einer entsprechenden Summe Geldes seinen besitzenden Hof von jeglicher grundherrschaftlicher Bindung ablösen und als freieigen erwerben.

Einöde, ma. »Straß" (489 Meter über NN.), urkundlich im Jahr 1300: »auf der strazz«.

Der Name weist auf ein unmittelbar an einer uralten Straße gelegenes Gehöft hin. In unserem Falle ist es die gleiche Altstraße, an der auch Stockwimm liegt. Diese spätere Distriktstraße führt heute als Kreisstraße PAN 28 von Mitterskirchen her über Lidorf und ab der Landkreisgrenze als Kreisstraße AÖ 4 an Arbing und Straß b. Ecking vorbei nach Wald b. Winhöring bzw. nach Geratskirchen. Grundherr des Straßnergutes (einst ein Halbhof oder Hube) war (urkundl. schon um 1417) die Hofmarksherrschaft zu Seibersdorf, die dieses „einschichtige Anwesen" dem jeweiligen Straßnerbauern auf Lehensbasis zur Nutzung überließ. Als Inhaber der Hofmark Seibersdorf sind nach den Seibersdorfern vor allem die Edlen von Offenham und als letzte die Grafen von Berchem zu nennen. Weil aber ein Leben, war für den Straßnerhof nicht das Hofmarksgericht, sondern das Landgericht Neuötting als Gerichtsherrschaft zuständig. 1848 wurde schließlich der Straßnerhof freies Eigentum seiner Besitzer.