Die Ortsteile von Reischach

Einöde, ma. „Owerfrüesing", Gegensatz: Unterfriesing.

Der Name „Friesingen" bzw. „Vriesing" oder „Friesing" ist schwer deutbar. Höchst-wahrscheinlich siedelte hier einst die Familie eines „Friso" (auch „Frieso", alter deutscher Vorname, ursprünglich Beiname „der Friese"). Friesing würde somit etwa „bei den Leuten des Frieso" bedeuten. Das „ingen" bzw. „ing" läßt zwar eine sehr frühe Besiedlung Friesings in der Zeit der bayer. Stammesbildung vermuten, doch dürfte sie hier wohl nicht vor dem 9. Jahrhundert erfolgt sein)

Um das Jahr 1150 übergab der Edelmann Ekehard von Arbing, ein Laienbruder, in An-wesenheit von sechs Zeugen zu seinem und seiner Vorvordern Seelenheil sein Gut, das er in dem Ort hatte, der „Friesingen" genannt wird, dem Kloster Baumburg. Vermutlich gab es damals nur das eine Gut zu Friesing, welches jedoch bald darauf in zwei Einzelgehöfte aufgeteilt wurde. Im Güter- und Abgabenverzeichnis des Klosters Baumburg vom Jahr 1245 werden zu „Vriesing" bereits zwei Huben erwähnt. 1300 gaben „Chonrad ze Friesing" und sein Nachbar „Ortlieb da selb" jeder 10 Metzen Vogthafer zum Kasten des herzoglichen „ampt dez chamraer von AErbing" (= Arbing). 1435 gab das Gut »Obern Friesing fünff mezen habern, vierzigk pfennig maystewr, vierzigk (Pfennig) herbstewr" an das herzogliche Kastenamt. Vom Nachbarn heißt es damals: »Item Niedern Friesing ein Hueb gehört gein pawnburg, (gibt) zehen mezen habern grozz mazz (= großes Maß), dreyssigk pfenig mayst(eue)r, dreyssigk (Pfennig) herbstewr...". Beide Güter liegen im „ambt zu Reysach". Die grundherrliche Zugehörigkeit beider Friesingerhöfe zum Kloster Baumburg dauerte bis zur Säkularisation 1803, wo dann an dessen Stelle der Staat als Grundherr auftrat. 1848 waren beide Höfe endlich Eigentum ihrer Besitzer.

Oberfriesing liegt sehr malerisch auf einem von Wäldern umgrenzten Höhenrücken, 467 Meter über N.N., der höchste Punkt (östl. oben bei der Buche) sogar 491 Meter. Von dort aus hat man bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht, vor allem ins Inntal und in das hügelige Holzland, an föhnigen Tagen sogar bis zur Alpenkette.

Einöde, 473 Meter über N.N., ma. "Owerkowe". Der Name kommt vom mhd. "kobel" = Kasten, Hütte, kleines Haus; ein "Kobler" bedeutete soviel wie Häusler.

Damit hat dieses Einödgehöft eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie das benachbarte Hochhäusl. Die Gehöfte zu Oberkobl und zu Unterkobl dürften jedoch wesentlich früher, spätestens im 13.Jahrhundert, entstanden sein und gehörten wohl, zumindest was ihre Gründe betrifft, zu dem Winhöringer Güterkomplex, welchen Kaiser Heinrich II. im Jahr 1018 dem Domkapitel zu Bamberg schenkte.

Da 1407 bereits "Niedernchopel" urkundlich erwähnt wird, muß es jedenfalls damals auch schon Oberkobl gegeben haben. Im Urbarsbuch der Dompropstei Bamberg von 1468 wird dann Oberkobel auch direkt erwähnt. Es heißt da: "Obern Kohl: Item Lindlein von Kobel gibt von einem Guth I Pfund und xxiiij Pfennig."

Einöde, ma. „Owerleitn" (das „b" wird als „w" gesprochen). Der Name weist auf einen freien nach Süden abfallenden Hang hin; die Leite, vom ahd. „blita", mhd. „lite" = Abhang.

Ein Kuriosum ist, daß das Kloster Raitenhaslach — Grundherr des Oberleitnerhofes bis zur Säkularisation — den Ort bzw. Hof als „Leutoltsleiten", später auch als „Lutzenleiten" in seinen Güterverzeichnissen führte, während er in den landgerichtlichen Steuerbüchern und in den Kirchenbüchern stets als „Oberleiten" erscheint. Lediglich anfangs bis Mitte des 17.Jahrhunderts wird er darin auch gelegentlich „Obermiilleitner" genannt. Es dürfte sich bei letzterer Bezeichnung aber mehr um einen transferierten Familiennamen als um einen Orts- oder Hofnamen gehandelt haben. „Leuthold« und „Lutz" dagegen sind uralte männliche Vornamen, wohl Namen von einstigen (ersten?) Besitzern. Oberleiten liegt 900 Meter nordwestlich der Einöde Niederleiten, 465 Meter über N.N. in schöner landschaftlicher Lage, an drei Seiten vom Wald umgrenzt. Seine erste sichere urk. Erwäh-nung ist vom Jahr 1334.

Einöde, 406 bzw. 415 Meter über N.N., ma. „Owermöi". Die Obermühle, von welcher der Ort seinen Namen ableitet, war der Lage und späten Beurkundung nach aller Wahrscheinlichkeit ursprünglich nicht die „obere", d.h. bachaufwärts gezählt, oberste Mahlmühle am Reischachbach.

Urkundlich erscheint sie 1435 erstmals. Sie war vermutlich damit auch nur bedingt namengebend für die ihr benachbarte nur 200 Meter bachabwärts gelegene „Mittermühle", die wesentlich älteren Ursprungs ist. Vielmehr dürfte es eine längst vor Bildung der Obmannschaften, also noch längst vor Mitte des 15.Jahrhunderts mitten im Dorf Reischach gestandene Mühle heute nicht mehr bekannten Namens, oder gar die einstige sogenannte Kaimerl-Mühle am südlichen Ortsende von Reischach gewesen sein, die wir als die ursprüngliche „obere Mühle" betrachten dürfen. Vielleicht war unsere Obermühle sogar die direkte und auch namensgleiche Nachfolgerin jener „Ur-Obermühle" Im Jahr 1538 brannte unsere Obermühle aus unbekannten Ursachen nieder; auch die ganze „varnus ist im verprunnen", wie damals der Obermüller dem herzoglichen Steuerbeamten klagte. Die Mühle samt allen Gebäuden wurde aber bald wieder aufgebaut; der Betrieb konnte also weitergehen. Schon Ende des 16.Jahrhunderts und noch Mitte des 17.Jahrhunderts war der Obermüller Besitzer mehrerer Anwesen. Er besaß z.B. 1671 unter anderem gleichzeitig die Wirtstaferne und mehrere Bauerngütl in Reischach, darunter auch das sogenannte Völkl- oder Holzheiblgütl. Dieses Bauerngütl stand mitten im Ort Reischach (heute Schwesternhaus mit Kindergarten). Und weil mehrere Generationen „Obermüller" dieses Anwesen innehatten, wurde es von den Leuten bald das „Obermüllergüll" genannt. Die eigentliche Obermühle aber, bei der wohl auch eine Ölstampfe betrieben wurde, erhielt den Spitznamen „Stampflmühl".

Im 19.Jahrhundert hing außen am Hausgiebel dieser Stampfl- oder Obermühle ein altes, schon von weitem sichtbares großes Kruzifix, und so wurde diese Mühle schließlich im Volksmund auch die „Herrgottsmöi" (Herrgottsmühle) genannt. Nur amtlich verblieb ihr der Name „Obermühl“.

Weiler mit drei Anwesen (465 Meter über N.N. bei Haus-Nr. 30); ihm etwa 400 Meter südlich benachbart ist der Weiler Unterthal.

Von der hiesigen Bevölkerung wird jedoch zwischen Ober- und Unterthal nicht unterschieden, sondern schlichtweg nur vom "Doi" (Thal) gesprochen. Um dabei aber die einzelnen Anwesen in den beiden Ortschaften nicht zu verwechseln, wird dem Ortsnamen"Thal" seit jeher der jeweilige Haus- oder Hofname davorgesetzt, z. B.: "Lix im Thal" bzw. "Salzfinger im Thal" usw. Der Weiler Oberthal umfaßt auch den etwas abseits liegenden und deshalb im Laufe seiner Geschichte zeitweise sogar als eigene Ortschaft erwähnten sogenannten Perseisenhof. Auch wurde urkundlich gelegentlich der Perseisenhof zu Oberthal gehörig genannt, während dabei der Salzinger-und der Wimmerhof als im "Mitterthal" gelegen bezeichnet wurden.

In Fuchshub abzweigend führt hinauf durch das langgezogene breite Tal seit alter Zeit eine Straße, welche ganz oben in eine ebenso alte in Richtung Ost-West verlaufende, sehr wichtig gewesene Landstraße einmündet. Letztere ist nämlich jene uralte "Rottstraße", von der es noch 1606 heißt, daß sie "von Braunau auf Neumarckht geet."

Zweifellos war Unterthal mit seiner damals noch eng an der Verkehrsstraße gestandenen uralten Schmiede schon viel länger besiedelt als Oberthal, das erst in einer späteren Rodungsperiode, vermutlich im 10. oder 11. Jahrhundert, entstanden sein dürfte.

Im Herzogsurbar von 1300 sind nur zwei Gehöfte in Thal aufgeführt, doch wird hier noch nicht zwischen Ober- und Unterthal unterschieden. Damals mußte "Ott in dem Tal" und "Ludwig in dem Tal" jeder jährlich 10 Metzen Vogthafer in das Amt des herzoglichen Kammerers von Arbing geben.

ma. „Bezlberg", Dorf, bestehend aus insgesamt 14 (überwiegend bäuerlichen) Anwesen.

Der Ort beziehungsweise das Gut „Petzenperg" wird erstmals urkundlich im Herzogsurbar vom Jahr 1300 erwähnt. Es mußte jährlich 2 Metzen Hafer an das Amt zu Reischach geben. Sicherlich existierte aber Petzlberg schon einige Jahrhunderte früher. Es dürfte längst vor dem Jahr 1000 entstanden sein. 1371 wird bereits die „hueb ze peczelsperig" erwähnt. 1407 wird dieses Gut (= heutiger Fleischbauer) urk. wieder genannt. So besaß damals „Heinrich Hautzinger von Pecznperg" eine „hub haisst Petzenperg". 1435 gab es in Petzlberg schon mindestens sechs Anwesen. Der Ort hatte damit ungefähr eine Größe erreicht, wie er sie noch bis vor dem Ersten Weltkrieg aufwies. Der Name Petzlberg kommt höchstwahrscheinlich von dem ersten Siedler dort her, der demnach „Petzel", „Petzelin" oder „Petzold" = Pe(t)zl (= Peter) hieß; also bei dem (Hof des) Petzl auf dem Berg. Welcher der Höfe dort nun der älteste und ursprünglich wohl einzige war, ist unbekannt. Jedenfalls dürfen wir zweifellos den Huber- (= heutigen Fleischbauern) und den Bichlmaierhof als die mit Abstand ältesten Höfe des Ortes gelten lassen. Petzlberg ist — im Gegensatz zu den benachbarten Ortschaften Haunberg und Rudersberg — ein sogen. Haufendorf, von dem aus in vier Himmelsrichtungen Straßen auseinander führen. Es liegt 484 Meter über N.N. und gewährt mit seinem noch reichen Obstbaumbestand, insbesondere von Norden her, einen recht ordentlichen Anblick.

Weiler, 480 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 39), ma. „Bimaschberg".

In der Zeit zwischen 1147 und 1167 übergab Engilbert von „Pudemingisperge" (= Pimannsberg) auf Bitten der edlen Frau Gertrud von Mörmoosen dem Stift St. Peter in Salzburg ein Gehöft zu Winkel durch Uolchold von Högel. Das althochdeutsche Wort „budeming", auch „pudeming", bedeutet soviel wie „Bauch"; „Pudemingisperge" würde sich demnach als ein bauchförmiger Berg erklären. Die alten Anwesen zu Pimannsberg befinden sich tatsächlich auf einer großen ausgeprägt bauchigen Anhöhe. Eine Besiedelung dieser Flur darf sicherlich schon mindestens 300 Jahre früher (8. oder 9. Jahrhundert) als ihre erste urkundliche Erwähnung vermutet werden. Als dann im Laufe der Zeit der ursprüngliche Sinn des Ortsnamens im Bewußtsein der Leute hier verloren ging, änderte sich auch seine Benennungs- und Schreibweise. Letztere ist uns in vielerlei, z. T. sogar grotesken Variationen überliefert.

Anfangs wohl nur ein einziges Gut zu Pimannsberg, werden im herzoglichen Urbarsbuch vom Jahr 1300 dort bereits zwei Güter erwähnt: „Aber Bidensperg... in dem ampt ze Reischach... zwai gut (gibt jedes der beiden zur Stift) vi huener und vi chaes." Ebenso werden 1435 zu „pudmannsperg" zwei Gehöfte genannt, welche beide mit gleich hohen Abgaben belegt sind.

Pimannsberg war also im Mittelalter — ähnlich wie z. B. Hoheneck und Kienberg — Sitz eines kleinen adeligen Landherren, Mitte des 12. Jahrhunderts eines solchen namens Engilbert, der sich nach seinem Stammlehen Pimannsberg eben »von Pimannsberg" nannte. Da wir aber später nichts mehr von ihm erfahren, darf angenommen werden, daß er (oder seine Nachkommen) das Schicksal der meisten seiner Standesgenossen von damals teilen mußte, indem er verarmte und dadurch an Bedeutung verlor. Spätestens ab dem 15., urk. jedenfalls ab dem 16. Jahrhundert, bis 1848 tritt schließlich die Hofmark Hirschhorn als Grundherrin für die beiden lehenbaren '/4-Anwesen zu Pimannsberg in Erscheinung. Die zuständige Gerichtsherrschaft über sie verblieb beim Landgericht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden durch Abtrümmerungen, haupt-sächlich aus Gründen des sogen. Vorderpimannsbergerhofes und durch Zertrümmerung desselben, drei weitere Anwesen zu Pimannsberg. Die Gebäude des Vorderpimanns-bergerhofes selbst wurden damals nach und nach abgerissen, so daß dieses Gehöft nun schon weit über 100 Jahre nicht mehr existiert und folglich auch die ältesten Bewohner dieser Gegend nichts mehr von ihm wissen. Lediglich die Stelle seines Brunnens (heute zugefüllt) war noch in unserer Zeit zu erkennen.

Einöde, 465 Meter über N.N., ma. „Bisdouer", in alter Zeit „Purgthor" oder „das Baumgartlehert bei(m) Purchtor" genannt.

Der Name erklärt sich zweifellos so, daß dieser Hof, dessen Gründe südlich bis direkt an die einstige mittelalterliche Burg auf dem Kaisersberg heranreichten und somit bis an das Burgtor, auch von jenem seinen Namen ableitet. Daß es im Laufe der Zeit zu einer so starken Verformung des Namens bis zum „Pistor"(iat. = Bäcker) kam, ist zwar interessant, läßt aber trotzdem keine andere Deutung zu. Ein Tor (z. B. Stadeltor) wird heute noch im Holzland mundartlich „Douer" genannt. Verformt hat sich somit nur die erste Silbe »Burg" zu „Bis" bzw. „Pis".

In den Lehenbriefen der von Kaiser Heinrich II. im Jahr 1018 dem Domkapitel zu Bamberg geschenkten Herrschaftsgebiet Winhöring wird bei den dazu gehörigen Gütern unter anderem auch bereits „ein Gut, genannt das Baumgartlehen bei Burgtor", erwähnt. Vermutlich war auch mit dem im herzoglichen Urbarsbuch vom Jahr 1300 aufgeführten Gut „ze Purch", das 1 Metzen Hafer in das „Ampt ze Reischach" geben mußte, unser Pistor gemeint.

1457 jedenfalls verkaufte „Hanns Puritorer zu Puritor" mehrere Wiesen und Holz-gründe an Ortolf Trenbeck zu Burgfried. Im Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg vom Jahr 1468 ist wiederum das Gut am „Purgtor" erwähnt. Von dem Besitzer heißt es da: „Item Hennßlein ibidem (= ebendort) gibt von einem Guth iij Schilling iiij Pfennig."