Die Ortsteile von Reischach

Einöde, 463 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 77), ma. „Iffaschberg"; 1468 „lnfridsberg".

Der Ortsname leitet sich von dem Personennamen „Infried" (Ingofried) ab und weist auf den Namen des ersten Siedlers auf diesem Berg hin. Ursprünglich nur ein einziges Hofgut, entstand — vermutlich spätestens Ende des 14. Jahrhunderts — durch weitere Rodung und Teilung der bis dahin zusammenhängenden Flur ein zweites jedoch wesentlich kleineres Anwesen. Von da an unterschied man vom „Großiffelsberger" und „Kleiniffelsberger".

Auch die beiden Anwesen „Kreuzbinder" und „Holzschmied" sind zweifellos, wenn auch später, Ausbrüche aus dem Uriffelsbergerhof; sie sind vermutlich erst im 16.Jahrhundert entstanden. Beide Iffelsbergerhöfe gehörten einst zu den Bamberger Erbgütern im Herrschaftsbereich Winhöring, welcher Hofmark sie niedergerichts- und grundherrschaftlich noch bis 1848 untertan waren.

Seit 1905 gibt es nur noch den Kleiniffelsbergerhof. Dieser befindet sich etwa 125 Meter etwas nordwestlich oberhalb des damals abgebrochenen und damit auch aus dem einschlägigen Flurkartenwerk verschwunden Großiffelsbergerhofes.

Einöde, ma. „Idowe«; der Ort liegt 405 Meter über N.N. auf einem sogenannten Tobel.

Dieser ist hier eine vorspringende leicht nach Süden hin abfallende Geländeterrasse, welche westlich vom Reischachbach, östlich vom bewaldeten, tiefen Aichberger- oder Indoblergraben, nördlich vom bewaldeten hohen Thannberg und südlich von der steil abfallenden, bewaldeten Böschung zum Inntal begrenzt wird. Indobl gewährt insbesonders von Südwesten (der sogenannten Himmelsstiege) her einen sehr malerischen Anblick.

Der Name „Indobl" in alter Zeit meist „Intobl, Intobel, Inntobel" oder gelegentlich »Im Tobel" geschrieben, setzt sich aus den Silben und Wortbegriffen „in" bzw. »im" und „tobt" bzw. „dobl" (mhd. „tobel") zusammen, was soviel wie „im (Wald-)tal" bedeuten würde. Ein gar leicht zu vermutender Zusammenhang der Vorsilbe „in« mit dem nahen Innfluß scheidet hier sicherlich aus.

Bereits um das Jahr 1180 wird Indobi nach bisherigen Erkenntnissen erstmals urkundlich erwähnt. Damals schenkte der Edle Wolfram von „Hinhiltobele" ein ihm gehöriges Gut zu Schwepfing (bei Aizgern) dem Kloster Raitenhaslach. Indobl war einst ein Ritter-und Edelmannsitz, auf dem als solche bis 1436 die „Intobler" und von 1436 bis 1535 deren Nachfahren, die „Taschner von Intobl", saßen. In der Zeit von 1535 bis 1538 gelangte der einstmals landtäfliche Rittersitz Indobi an einen Bauern, der ihn eigentümlich besaß. Bald wurde dieses Gut in zwei separate Höfe, den „Ober"- und dem „Unter-Indobler" aufgeteilt und jeder davon zu einer Hube (= 1/2 Hof) eintaxiert. Diese anfangs getrennt bewirtschafteten Bauernhöfe wurden aber bald wieder „in Gründen vermischt" von ein und dem gleichen Hofbesitzer bewirtschaftet. Anfangs des 17.Jahrhunderts hatte man dann die Indoblerhöfe wieder zu einem Gut (Unter-"Indobler") vereinigt und dieses als einen 7/8-Hof eingestuft; es war immer noch »freieigen". Das verbliebene Wohnhaus des einstigen Ober-Indoblerhofes diente fortan dem Indoblerbauern als Zu- oder Austragshaus. Im 18. Jahrhundert wurde es — wohl wegen Baufälligkeit — abgebrochen und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwa 75 Meter östlich des Hofes ein neues, das derzeitige Zuhäusl, errichtet

Weiler (634 bzw. 370 Meter über N.N.), ma. „Kdäer". Dieser Name kommt vorn ahd. „hag", am „g‘hag" (Gehag), hier ein in alter Zeit mit einem lebenden Zaun (Hecke) eingefriedeter, besonders geschützter Grund eines direkt am Steilufer des Inns gelegenen Gehöftes.

Im Jahr 1407 hat „liebbart Kagrer 1 Mül im Räwschenpach (= Reischachbach) mit irm zugehörn, gen(annt) Kager, in Winheringer pfarr...". Dieser Kagererhof samt Mühle war ein fürstliches Lehen. Von der Mühle heißt es 1721: „... wobey vor diesem ein Mihl gewesen, so aber durch den Reischenbach truckhen gesözt worden und solchennach abkommen ist..."

Die Ortschaft Kager erstreckt sich heute auf zwei Gemeindegebiete: Kager links (=östlich) des Reischachbaches zählt zur Gemeinde Reischach, das eigentliche Kager mit dem seit uralter Zeit bestehenden „Kagererhof" (und dem Platz der einstigen Mühle), rechts des Baches aber gehört zur Gemeinde Winhöring. Auch in pfarr- und schulischer Hinsicht ist der Ort — wenn auch etwas anders — entsprechend aufgeteilt. Das zum Gemeindegebiet Reischach gehörende Kager hieß noch bis etwa 1830 amtlich „Neumühl(e)", obwohl der Name Kager dafür schon längst gebräuchig war.

Hier stand nämlich in alter Zeit auch eine Mühle. Bis. gegen Ende des 19.Jahrhundert gab es dort zwei Anwesen. Heute sind es insgesamt sechs; vier davon wurden erst in neuerer bzw. neuester Zeit errichtet. Außer diesen wurde nach dem Bahnbau von 1868-1871 im Reischacher Bereich von Kager noch ein sogenanntes Bahnwärterhaus mit Dienstwohnung gebaut, das jedoch 1966 wieder ersatzlos abgebrochen wurde. Desgleichen entstand 1950 noch ein Anwesen, welches gegen Mitte der Siebziger Jahre im Zuge des Baues der Innstaustufe Perach wieder beseitigt wurde.

Einöde, 477 Meter über N.N. (bei der Burgruine), ma. „Keiserschberg". Noch bis 1969 bestand dieser Ort aus drei Anwesen, wovon zwei Bauernhöfe und das dritte eine Burg war.

Heute dagegen sieht man auf dem Kaisersberg hinsichtlich Gebäude nur noch eine Burgruine und die Betriebsgebäude der dortigen zentralen Mülldeponie. In alter Zeit war der Kaisersberg ob seiner günstigen Lage hoch über dem Inntal und dem diesen einmündenden Isental ein strategisch wichtiger Punkt, den zweifellos auch schon die Römer kannten und nutzten.

Auch der gesamte dort noch sehr gut erhalten gebliebene frühmittelalterliche Burgstall mit seinen mächtigen Wall- und Grabenanlagen, im Volksmund die „Kaiserschanze" ge-nannt, zeugt von der einstigen Bedeutung dieses Platzes. Sie zählt zu den größten derartigen Bodendenkmälern im östlichen Oberbayern. Der Name „Kaisersberg" leitet seinen Ursprung angeblich in Erinnerung an jenes Geschehen ab, als der angehende Kaiser Ludwig der Bayer in der Nacht zum 29. September 1322 mit seinem Heer „... noch am Tage der Schlacht nach Oetting (zog) und dort eine durch die Isen und den Inn geschützte Stellung bezog... „; mit dieser geschützten Stellung dürfte zweifellos unser Kaisersberg gemeint gewesen sein.

Im späten Mittelalter ist sogar eine gemauerte Burganlage auf dem Kaisersberg nachweisbar. Sie muß aber wohl Ende des 15.Jahrhunderts bereits verlassen und weitgehend verfallen gewesen sein, denn gegen Mitte des 16.Jahrhunderts wird sie nämlich in der herzoglichen Landtafel beschrieben als „Khaysersperg, ein alt zerbrochen Schloß im Gericht Öetting, Rentamts Burgkhausen", das 1538 samt dem benachbarten Sitz Burgfricd den Edlen von Trenbeck und 1593 den »Herren Georgen von Törring Erben" gehörte. Philipp Apian nahm diese verfallene Burg mit entsprechender Signatur sogar noch in sein im Jahr 1568 erschienenen Kartenwerk auf. Es darf angenommen werden, daß im 17.Jahrhundert dann die letzten Reste dieser Ruine beseitigt wurden.

Gleichzeitig existierte unweit östlich jener Schloß- oder Burganlage der dazugehörige »Hofbau", ein Bauernhof, welcher im Volksmund der „Kaiserhof", urkundlich aber stets der „Kaisersbergerhof" genannt wurde. Im 1468 angelegten Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg sind das Gehöft „Keysersberg" und der ihm benachbarte Hof zu „Rewt" (= Reiter in Ecken) als gemeinsam genutzt aufgeführt. Es heißt da: „Item der Nik-kel und der Richter geben von einem Gut iij Schilling und iiij Pfennig und noch von einem Güthlein Lxxij Pfennig das sie dan auch innen haben." 1471 dagegen wird der Hof zu Kaisersberg und der Hof zu Reh gesondert und dabei der Letztere den Abgaben nach als der weitaus größere erwähnt.

Der Ort Karrersäge, ma. „Karrersag", ein Weiler mit vier Anwesen, befindet sich am rechten Ufer des hier allmählich in die Weite des Inntals übergehenden, landschaftlich sehr anmutigen Reischachtales; er liegt ca. 374 Meter über N.N. (beim Anwesen Hs.-Nr. 79).

Eigentlich müßte diese Ortschaft „Schöffmühl" heißen. An dieser Stelle befand sich nämlich in ganz alter Zeit eine — wie der Name sagt — im Wasser des Reischachbaches schwimmende Schiffsmühle. Wenige Schritte oberhalb dieser Schiffsmühle über dem steilen Bachufer, am Fuße des „Schöffberges", stand das Haus des Schiff- oder Schöffmüllers, das sogenannte Schöffmühlhäusl. Spätestens im 14. Jahrhundert wurde diese Schiffsmühle von einer stationären Mühle abgelöst. Die um 1407 urkundlich erwähnte „mül daselbs... zu Schefperig" dürfte bereits eine hier auf festem Grund gebaute Mühle gewesen sein. Der Name „Schöffmühl" wurde dann eben auf diese übertragen. Noch auf der alten Flurkarte von 1824 ist das Anwesen „Schöffmühlhäusl" als cinfirstiges Gebäude eingetragen. Es stand wenige Schritte westlich oberhalb des derzeitigen Sägewerkes, direkt an der Straße zur sogenannten Himmelstiege. Von dem Häusl führte damals ein Gangsteig herab in den Bach. Die Schöffmühle war noch 1417 ein Seiberstorffersches Lehen, anfangs des 16.Jahrhundert dagegen halb fürstliches Lehen und halb „Bamberger Erb" nach Winhöring. In der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts (urkundl. 1588) wurde das Gütl samt der Mühle ausschließlich „fürstlich Leben"; es war also ab da der Landesherr zugleich auch gänzlich der Grundherr.

Dies blieb so bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Um 1692 wurden bei einer furchtbaren Hochwasserkatastrophe nicht nur die Nachbarsmühlen zum Teil bzw. ganz zerstört, sondern dabei auch die Schöffmühl „truckhen gesözt", so daß sie schließlich gänzlich und für immer abgebrochen werden mußte. Auch die zum Anwesen gehörigen landwirtschaftlichen Gründe wurden damals zum Großteil verwüstet beziehungsweise weggerissen.

Gegen Mitte des 18.Jahrhunderts gelangte, das seinerzeit vom Hochwasser verschont gebliebene Schöffmühlhäusl mit allen noch dazugehörigen Gründen als Zubaugütl in den Besitz des Hochhäusl-Bauern. In dessen Besitz und schließlich Eigentum verblieb es bis 1873. Doch bereits in der Zeit zwischen 1824 und 1851 wurde dieses damals schon längst nicht mehr bewohnt gewesene Häusl — wohl wegen Baufälligkeit — abgerissen. Da der Name „Schöffmühlhäusl" bei den alten Leuten dieser Gegend die Erinnerung auch an jene einstige längst abgegangene Mühle noch immer wachhielt, gründete 1878 der Karrer Johann Ecklkofer von Reisebach an deren Stelle — und auf jene abgegangene Mühle sich berufend — eine Sägmühle. Dieses neue Sägewerk wurde dann aber nicht etwa die „Schöffmähl-Säg", sondern, nach ihm, die „Karrersäge" benannt. Dieser Name wurde schließlich auch zum amtlichen Ortsnamen und der uralte einstige Name „Schöffmühl" bzw. „Schöffmühlhäusl" ist nun ausgelöscht und zudem allgemein längst völlig aus der Erinnerung entschwunden.

Einöde, 480 Meter über N.N., mundartlich »Keaschbihe". Der Name bedeutet soviel wie am Kirschenhügel, d.h., ein Hügel (Bichl), wo einstmals viele Kirschbäume standen und solche wohl dort auch besonders gut gedeihen.

Im Urbarium der Dompropstei Bamberg von 1468, das alle zur Herrschaft Winhöring gehörigen Güter aufweist, ist der Ort bzw. das Gut als „Püchel" der Reihenfolge nach zwischen den Ortschaften „Scheffberg" und „Purgtor" (= Pistor) aufgeführt.

Einöde, ma. ,,Keaberg", von ahd. „chien", mhd. „kien" = Kienföhre, Kiefer; Kienberg ein mit Kiefern (Föhren) bewachsener Berg. Der Ort besteht aus zwei über 400 Meter voneinander abgeschiedenen Einzelgehöften: dem Unter- und dem Oberkienbergerhof. Ersterer liegt 480, der andere 497 Meter über N.N.

Kienberg ist weit über 1000 Jahre lang besiedelt. Am 30. Juni des Jahres 933 übergaben der Edle Ogo und seine Gemahlin Gotine dem Erzbischof von Salzburg ihren Besitz zu Rott mit 10 Hörigen und gewährten zugleich die Investitur, wofür ihnen der Erzbischof bis zu ihrem Lebensende eine Hube zu » Chienperch" mit allem Zubehör sowie einen Hof zu Bruck (a. d. Alz, südöstl. von Kastl) und zu Eschelbach (b. Neuötting) überließ. Es handelte sich hier zweifellos um den Oberkienbergerhof, welcher auch später noch, im Gegensatz zum Unterkienbergerhof, stets als eine Hube (= 1/2 Hof) ausgewiesen ist. Gegen Ende des 12.Jahrhunderts erscheinen in den Traditionsnotizen des Klosters Raitenhaslach adelige Personen, die sich nach unserem Kienberg »von Chaeberch" benannten, als Zeugen: So um 1190 » Luipolt de Chaeberch" sowie „Hainricus de Chaeberch" und ein weiterer „Hainricus de Chaeberch" samt seinen zwei Söhnen „Engelbertus" und „Hainricus", als das Gut Biburg (b. Neukirchen a. d. Alz) einem Rechtsgeschäft mit dem Kloster Raitenhaslach unterzogen wird.

Daß also der sehr malerisch auf einem hochgelegenen ziemlich steil nach drei Seiten hinabfallenden Geländesporn sich befindliche Oberkienbergerhof in alter Zeit ein Edelmannssitz war, ist demnach nicht nur eine überlieferte uralte Sage, sondern eine geschicht-liche Tatsache.

Einöde mit Kirche, ma. „Kiachahauberg" (483 Meter über N.N.). Der Name kommt - ebenso wie bei Haunberg - von „hauen", mhd. „houwen", d.h. von einer in mehreren „Gehauen" abgeholzten und urbar gemachten Anhöhe.

Bei dem dann errichteten Gehöft wurde bald auch ein Kirchlein, als Eigenkirche eines Gutsbesitzers erbaut. Es hauste nämlich in alter Zeit auf diesem nach drei Seiten ziemlich steil abfallenden Geländesporn, der heute noch zu etwa dreiviertel von Wäldern umschlossen ist, ein Edelgeschlecht. So ist am 3.Juni 1254 „Otto der Havnperg" als Zeuge genannt, als die verwitwete Pfalzgräfin Adelhaid von Bayern und ihre Tochter Elisabeth ihre Besitzungen zu Westerndorf (Gemeinde Perach) dem Kloster Raitenhaslach übergeben. Im Urkundenverzeichnis dieses Klosters sind im Jahr 1360 auch „Ortlieb Hauenberger" und dessen Vetter „Heinrich der Hauonberger" eingetragen. Um 1407 gehörte »der Hof zw Hawnperig" und ein weiteres Gütl dort, » das bei der Hulgen", sowie ebendort „ein Selden" bereits zur Lehenschaft des Martin Hohenecker, einem angesehenen Edelmanne dieser Gegend.

1468 ist Kirchhaunberg als »Kirchberg... in parochia reisach" (= Pfarrei Reischach) mit zwei Anwesen bzw. einigen Gründen im Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg aufgeführt. Ebenso ist darin das andere „Haunberg" bei Reischach erwähnt, das mit zwei Gütern ebenfalls dieser Grundherrschaft angehörig war und somit beide Haunberg nicht zu verwechseln sind. Ebenfalls 1468 gehörte zum Haunbergerhof auch noch das be-nachbarte „Infridsberg" (= Iffelsberg, wohl das sogenannte Kleiniffelsbergergütl), für welches der Haunberger-Gutsbesitzer jährlich jeweils 72 Pfennig an die für dieses Gütl zuständige Grundherrschaft Winhöring („Bamberger Erb") leisten mußte.

Anfangs des 16.Jahrhunderts war der Haunbergerhof immer noch im Besitz der Hohenecker. 1508 saß „Urban Hohenegkher zu Hawnnperg" auf diesem Anwesen, das damals als Edelmannsitz in die herzogl. bayer. Landtafel eingetragen war. 1538 war dann die Hubc zu Haunberg längst ein „Bruckedlgut". Es zählte damit der Haunberger zu den etwa 20 solchen Bruckcdlen im Landgericht bzw. Mautamt Oetting (= Neuötting). Er blieb jedoch freier Eigentümer seines Gutes. Lediglich mit einigen Gründen war er — wie schon seit alters her — auch noch zur Hofmark Winhöring mit Erbrecht grundbar, und dies bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Weiler, etwa 650 Meter nördlich von Großillenberg gelegen; 1468 „Nidern Yllenberg" (=Kleinillenberg).

Die Deutung des Namens, die erste urkundliche Erwähnung und Geschichte ist gleich wie bei Großillenberg (vgl. dort!). Obwohl der Kleinillenbergerhof geländemäßig um etwa fünf Meter höher liegt als das höchstgelegene Anwesen zu Großillenberg, war in alter Zeit offensichtlich nicht die Lage des Gehöftes, sondern die Höhe des Berges, an dem sich das Gehöft befand, für seine geographische Bestimmung ausschlaggebend. Der „Großillenberg" ist an seiner höchsten Stelle 470 Meter über N.N., der „Kleindlenberg", wo der Hof auf dessen höchster Erhebung steht, nur 459 Meter über N.N. Er ist also 1468 mit Recht als der „Nidern Yllenberg" bezeichnet worden.

Einöde, 450 Meter über N.N., urkundlich 1461 2, Kolbersperg", 1471 „Cholbersperg". Mundartlich wird der Name heute „Koiwerschberg" gesprochen;

er leitet sich vermutlich von einem einstigen Besitzernamens „Kolumban“ oder „Koloman" ab (vgl. die Nähe der St.-Kotomans-Kirche von Kirchhaunberg!); zu denken wäre vielleicht auch an den Namen „Colbert". Kolbersberg war ursprünglich offensichtlich ein von der Dompropstei Bamberg den einstigen Edlen von Haunberg (= Kirchhaunberg) und deren Nachkommen zu Lehen gegebenes Gut.

Am „Erichtag vor Pfingsten" 1461 erwarb Hans Trenbeck zu Burgfrid von „Heinrich Haunperger" durch Kauf ein Gut zu „Kolbersperg". Weil dieses Gut im Bamberger Erb Winhöring war, siegelte die Kaufsurkunde der Erbrichter von Winhöring, Hanns Reiter von Klebing. Um die Mitte des 15.Jahrhunderts gab es jedoch zu Kolbersberg zwei an-scheinend gleich große Bauerngüter. So heißt es z. B. 1468: „Kolbersperg: Item Cuntzel gibt von einem Guth 1 Pfund Pfennig und xxiiij Pfennig. Item der Friedlein gibt von einem Guth I Pfund Pfennig und xxiiij Pfennig" Zins bzw. Gult an die Herrschaft Winhöring. 1485 wurde dieses zweite Gut zu Kolbersberg, das auch bereits zur Herrschaft Winhöring gehörte und das damals „Hanns Kobler“ zu Lehen besaß, an Wilhelm von Trenbeck zu Burgfried, Kastner zu Eggenfelden, verkauft. Vermutlich war eines davon das etwa 225 Meter weiter westlich benachbart gewesene, heute seit Menschengedenken nicht mehr existierende sogenannte Wildeneckergütl. Oder war etwa das einstmals zum Kolbersbergerhof gehörig gewesene Zu- oder Austragshäusl der Rest jenes zweiten Hofes? Letzterer Fall wäre nicht undenkbar, da derartige historische Hofentwicklungen in unserer Gegend öfters anzutreffen sind.

Einöde, 485 Meter über N.N., ma. „Greizbinder"; der Name leitet sich von einem dort einstmals gestandenen markanten Kreuz ab, in dessen unmittelbarer Nähe diese 1/16 Sölden dann gegründet wurde.

Und weil in dem Anwesen Jahrhunderte lang das Binder- oder Schäfflerhandwerk ausgeübt wurde, erklärt sich auch die zweite Namenssilbe. Eine Deutung nach „G(e)reut" (von Rodung) scheidet somit hier aus. Das Kreuzbinderanwesen wie auch das ihm unweit benachbarte Holzschmiedgütl dürften vermutlich erst gegen Ende des 16.Jahrhundert entstanden sein; beide erscheinen urkundlich aber erst anfangs des 17.Jahrhundert und waren zweifellos schon von Anfang an zur Herrschaft Winhöring gerichtsbar und mit Erbrecht grunduntertan.

Weiler (465 Meter über N.N.), ma. „Lanznberg".

Der Name kommt zweifellos von dem ahd. Personennamen „Lanze". Lanzenberg ist somit zu erklären als Berg, auf dem ein Lanzo siedelte. Damit ist uns auch der Name des ersten Siedlers dort überliefert worden. Urkundlich wird unser Lanzenberg erstmals am 1.November des Jahres 1011 erwähnt, als Kaiser Heinrich II. neben Reischach, Aushofen, Golderberg und anderen Ortschaften bzw. Gutshöfen auch das Gut „Lanzinperc" an die Kirche von Bamberg schenkte. Der Ort mußte somit schon wesentlich früher gegründet worden sein. 1435 gab „Ottel von lanzenperg" je 34 Pfennig Mai- und Herbststeuer pro Jahr an das herzogl. Kastenamt. Das wesentlich kleinere Gut des „Ott von lanzenperg" war damals mit nur je 12 Pfennig dieser Steuer belegt. Bei den genannten zwei Höfen handelte es sich höchstwahrscheinlich um den späteren „Sieglhof" und dem heute in dem Sieglhof aufgegangenen nicht mehr existierenden sogenannten Haynsen- oder Heissenhof mit seinem Zubaugütl. Im Jahr 1011 hat — wie wir noch genauer erfahren werden — aber auch schon längst das dritte Hofgut, der „Elfasen"- oder „Liasenhof" existiert. Die in unserer Zeit aufgefundenen Erdställe sowohl beim Siegl wie auch beim Liasen weisen zudem zweifellos auf eine sehr frühe Besiedlung des Ortes hin.

Vormals Einöde, jetzt ein Weiler mit vier Anwesen, 410 Meter über N.N.; ma. „Moawiesweb" (fälschlich in Unkenntnis des Ursprünglichen gelegentlich auch „Maiwiesweb" geschrieben).

Das alte Maierwiesweber-Anwesen, einst auch „Wieshäusl" genannt, war ein Ausbruch aus dem Hofbauerngut zu Großillenberg, von dem diese bereits 1592 urkundlich erwähnte Zubausölde mit 1,59 Tagwerk Grund am 24. Oktober 1812 durch Verkauf um 300 Gulden abgetrennt und damit selbständig wurde. Den Grund, worauf das Häusl mit nördlich angebautem Stall stand, hat man seit alters her die „Mayrwies" (ma. „Moawies") gcnannt. „Mayr zu Illnberg« hieß in ganz alter Zeit (urk. 1435) das Hofbauerngut zu Großillenberg und weil in dem „Häusl" drunten in der „Mayrwies" mehrere Generationen lang das Weberhandwerk ausgeübt wurde, erklärt sich auch die (verstümmelte) Schlußsilbe des Ortsnamens. Als das Wieshäusl noch Bestandteil des Hofbauern-gutes war, ist es meist an Handwerker- oder Taglöhnersfamilien vermietet gewesen. So wurde z. B. 1646 dem »Johann Wurzer bey dem Hofbauern auf der Mayrwiß, ain Inmann", ein Sohn namens Urban geboren und getauft. 1668 ist ein „Hannsen Schneider-baue, Inwohner auf der Mayrwiß, und Maria sein Eheweib" beurkundet.

ma. „Mittermöi", Weiler, 399 Meter über N.N. Der Name „Mittermühl" kommt von einer Mühle, die bachabwärts gezählt, zwischen der „Obermühle" und der „Brandmühle" stand.

Allein diese drei genannten Mühlen lagen links, d.h. östlich des Reischachbaches und gehörten damit zur „Obmannschaft Reischach". Der Bach bildete hier die Obmannschaftsgrenze, zum Teil auch die Amtsgebietsgrenze.

Die „Kagermühle", die „Schöffmühle"sowie die „Hochmühle" und die „Keimerlrnühle" lagen dagegen rechts, d.h. westlich des Reischachbaches und gehörten zur „Obmann- schaft Reischenbach" im Amt Reischach, bzw. erstere zwei zur „Obmannschaft auf dem Öcken" im Amt Winhöring; sie waren also deshalb hier wohl nicht namengebend. Die einstige zwar östlich des Reischachbaches gelegene „Neumühle" (Ortschaft heute zu Kager gehörend) entstand — wie ihr Name schon verrät — erst viel später. Jene Mühle scheidet daher zur Namensbildung für unsere „Mittermühle" ebenfalls aus. Von den beiden einstigen Mühlen Brandmühle, Mittermühle und Obermühle dürfte letztere aber die weitaus jüngere sein. Um 1405 gehörte die „Mittermul in dem Räwschachpach" zur Lehen-schaft des Edelmannes Martin Hohenecker. Im herzoglichen Urbarsbuch vorn Jahr 1435 ist diese Mühle ebenfalls verzeichnet: Damals gab der „Mitemüllner" 12 Pfennig Herbst-und Maisteuer jährlich an das herzogliche Kastenamt; er zählt zu den Freisassen im Bereich des Amtes Reischach. Hof- und Mühle blieben auch später frei eigen, also keiner Grundherrschaft unterworfen. Dazu gehörte ab 1650 auch »freieigen" ein 1/32-Zuhäusl. Dieses wurde im 16.Jahrhundert noch das „1/4 Maihofer"-Gütl (hier wohl von „Möi"hofer =Mühlhofer) genannt und war damals noch ein selbständiges, von der 1/8-Mittermühle unabhängiges Anwesen. War es ursprünglich die Hofstatt, aus der die Mittermühle später hervorging?

Es stand nach der ältesten genauen Flurkarte von 1824 jenseits des Reischachbaches, etwa 75 Meter südwestlich oberhalb der Mittermühle auf dem — heute durch Auffüllung veränderten — Plateau am alten Fahrweg nach Großillenberg. Es lag damit — im Gegensatz zur Mittermühle — im Bereich der Obmannschaft Reischenbach. 1864 hatte man dann diesen damals immer noch als „Häusl mit Hütte" bestandenen Gebäudekomplex abgebrochen. 1930 wurde das gesamte Mittermüller-Anwesen, das bis dahin nur jeweils einen Eigentümer hatte, in zwei verschiedene Anwesen und Eigentümer aufgeteilt: den Mittermüllerhof mit der alten Hausnummer 59 einesteils und die Mühle mit Schneidsäge samt dem damals neuerbauten Wohnhaus der Müllersfamilie, das die Hausnummer 591/3 (heute Haus-Nr. 63) bekam, andernteils.